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02
05
2017

Du darfst das Leben leicht nehmen – oder was wir von einer grünen Meeresschildkröte lernen können

Ich komme gerade aus meiner wöchentlichen Yogastunde. Meine Yogalehrerin hat uns am Ende vor der üblichen Meditation gefragt, was wir denn heute aus der Stunde mitnehmen. Sie lud uns ein, einfach mal zu beobachten, welcher Gedanke vielleicht dazu auftaucht. Bei mir war es das Wort „mühelos“. Irgendwann während der Yogaübungen hatte sie es erwähnt. Und es blieb bei mir hängen.

Mühelos – was für ein wunderbares Wort. Es fühlt sich gleich so leicht an. Wie oft mühen wir uns jedoch ab. Zerbrechen unseren Kopf.

Neulich erst habe ich eine Klientin gecoacht, die sich während der Elternzeit beruflich neu orientieren möchte. Sie erzählte mir, dass sie vor der Geburt ihres Kindes als Unternehmensberaterin gearbeitet hatte. Damit waren viele Reisen verbunden gewesen. Diese Tätigkeit konnte und wollte sie jetzt als Mutter nicht mehr ausüben. Aber was dann? Sie hatte schon ein paar Ideen. Ich merkte ihr aber an, dass diese Ideen eher vernünftige, kopfgesteuerte Überlegungen waren. Deshalb lud ich sie ein, sich einmal zu fragen und auch aufzuschreiben, was sie denn liebe. Sie war zunächst etwas irritiert, aber dann sprudelte sie los. Ihre Augen strahlten dabei und ihre ganze Körperhaltung veränderte sich. Sie war deutlich entspannter und offener. Am Ende der Coaching-Sitzung habe ich sie gefragt, was sie denn für heute aus der Sitzung mitnehme und sie meinte, das sei vor allem die Frage, nach dem, was sie liebe. Es wäre eigentlich so eine kleine Frage, die so harmlos daherkomme, aber sie habe einiges bewirkt. Ja – es darf leicht gehen. Es darf mühelos sein. Auch die Suche nach einer neuen Tätigkeit.

Was wir von einer grünen Meeresschildkröte lernen können.

Dazu fällt mir die kleine Geschichte mit der grünen Meeresschildkröte aus dem Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky ein. Hier erzählt die Protagonistin Cathy John, dem Ich-Erzähler der Geschichte, von ihrem Erlebnis während ihres Hawaiiurlaubs. Sie entdeckte beim Schnorcheln im Meer eine grüne Meeresschildkröte. Sie wollte die Schildkröte gern beobachten. Dies stellte sich jedoch schwerer heraus als gedacht. Sie konnte mit der Schildkröte nicht mithalten, weil sie die ganze Zeit mit den Schwimmflossen paddeln musste, um gegen die Wellen, die hereinrollten, anzukämpfen. Nach einiger Zeit bemerkte Cathy, dass die Meeresschildkröte ihre Bewegungen denen des Wassers perfekt anpasste. Wenn sich eine Welle auf das Ufer zu bewegte, ließ die Schildkröte sich treiben und paddelte nur gerade so viel, um ihre Position halten zu können. Wenn aber die Welle wieder zum Ozean hinausströmte, paddelte sie schneller, um die Bewegungen des Wassers zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Schildkröte kämpfte also nie gegen die Wellen an, sondern sie nutzte die Kraft der Wellen für sich.

Kämpfe also nicht gegen die Wellen an, sondern lass Dich von ihnen treiben. Es darf leicht gehen und Spaß machen!

Wie sieht aber die Wirklichkeit aus? Wie viele Menschen sind davon überzeugt, dass Arbeit erst richtige Arbeit ist, wenn man sich dabei anstrengt? Das Leben ist nun mal kein Ponyhof! Nein, erst die Arbeit, dann das Vergnügen… Das sind so typische Glaubenssätze, die sogar schon Schulkinder – so berichtete mir neulich eine Klientin – verinnerlicht haben. Was ist aber, wenn Arbeit einfach Spaß macht, sich leicht und mühelos anfühlt? Ist das dann keine Arbeit? Oder ist sie dann weniger wert?

Als ich das vor Kurzem bei meinem aktuellen Erfolgsteam für Mütter ansprach, nickten alle mit den Köpfen. Ja – genau das scheint das Thema bei vielen zu sein. Diese Glaubenssätze sind wohl sehr tief in uns verankert. Arbeit muss doch keinen Spaß machen! Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder nur das täte, was ihm Spaß macht? So oder ähnlich haben vielleicht unsere Eltern oder auch Lehrer zu uns gesprochen.

Ich bin aber davon überzeugt, dass wir auf unser Herz hören sollten. Unserer inneren Stimme vertrauen dürfen.

Wir dürfen uns dem widmen, was wir lieben. Wir sollten es sogar! Das sagt auch die bekannte Autorin Barbara Sher in ihren vielen Büchern. Denn gerade dann können wir sehr viel erreichen!  Das, was wir lieben, ist auch das, wofür wir begabt sind. Nur Liebe gibt uns den Antrieb, länger bei einer Sache zu bleiben, so dass unsere Begabung sich entwickeln kann.

Und genau hier setze ich bei meinem Coaching mit Müttern, die sich nach der Elternzeit beruflich neu orientieren möchten, an. Ich unterstütze meine Klientinnen dabei, ihre innere Stimme wieder wahrzunehmen. Ihren Träumer zu Wort kommen zu lassen. Gemeinsam lösen wir innere Glaubenssätze auf. Und oft wundern sich die Frauen dann, wie leicht es eigentlich sein kann.

Dazu fällt mir der neue Song „Leichtsinn“ von Tim Bendzko ein. Da heißt es im Refrain: Du kannst das Leben leicht nehmen, auch wenn es das nicht ist. Brauchst nur ein bisschen Leichtsinn und Du kannst sein wer Du willst… Vielleicht hat Tim Bendzko ja auch „Das Café am Rande der Welt“ gelesen… 🙂

Autor: katrin.neiss

Katrin Neiß ist zertifizierter Coach (DVNLP), Wingwave-Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Nach 14 Jahren Berufstätigkeit in der Veranstaltungs- und Marketingbranche hat sich die studierte Geisteswissenschaftlerin in der zweiten Elternzeit beruflich neu orientiert und ist ihrem Herzen gefolgt. Sie richtet sich mit ihrem Angebot an Mütter, die sich nach der Elternzeit beruflich neu orientieren möchten und an Mütter, die Halt und Stärke nach einem belastenden Geburtserlebnis suchen. Sie lebt in Berlin, ist glücklich verheiratet und hat 2 Kinder. Nähere Infos auch auf der Homepage: www.neiss-coaching.de

Kommentare
7
Jenny Toll

Sehr schöner Artikel Katrin! Du hast so Recht! In unseren Köpfen muss Arbeit bis Mitternacht gehen, damit sie was wert ist. Mit deinem Artikel sprichst du sicher vielen Menschen aus der Seele.

Ich freue mich schon auf Freitag!

Herzliche Grüße,
Jenny

katrin.neiss

Vielen Dank, liebe Jenny! Ich freue mich, dass Dir der Artikel gefällt! Wir sehen uns Freitag beim Erfolgsteam 🙂 Lieben Gruß, Katrin

Tamara

Katrins Artikel ist wunderschön, und doch muss ich einen Glaubenssatz verteidigen, weil ich ihn offenbar schon immer anderes interpretiert habe: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen…“ Nach meiner Auffassung und Erfahrung waren Erfolgserlebnisse und/oder großes Vergnügen oft mit einer vorangegangenen großen Mühe verbunden, sowohl im Arbeitsleben als auch bei Hobbys.

Ein Beispiel: Ich liebte Skitouren – aber was genau daran…?

Physikalisch gesehen ist Arbeit= Kraft x Weg. Und Energie ist gespeicherte Arbeit. Wenn ich also einen längeren Weg (höheren Berg) langgehe, verrichte ich mehr Arbeit. Wenn ich viel mehr Gepäck (z.B. Proviant) mitnehme, dann habe ich eine höhere Gewichtskraft und verrichte mehr Arbeit. Und beides kann mühsam sein. An der Bergspitze angekommen, habe ich viel „gespeicherte Arbeit“ in Form von „potentieller Energie“, die ich nutze, um mit Skiern wieder herunterzufahren. Und was war dabei das Vergnügen?

Naja, für mich persönlich ist (wetterabhängig) bereits der Weg durch unberührten Wald schon das Vergnügen, und die Magie der Bergspitze. Aber ich kenne auch welche, denen das Hochlaufen wirklich keinen Spaß macht, das leichte Herunterfahren eines einsamen Berges fernab von anderen Menschen mit eigener erbrachter Leistung aber um so mehr, was die Mühen des Aufstiegs übertrifft. Und natürlich kenne ich auch welche, die nur auf Pisten fahren und niemals einen anstrengenden Aufstiegs machen wollten, und damit ebenso glücklich sind.

Was ich damit sagen will, ist, dass es einerseits eine Typus-Frage und andererseits eine Frage des Zieles ist, inwieweit mühevolle Arbeit zum Vergnügen führen kann.
Wenn jemand weder die Kraftanstrengung, noch den Weg der Arbeit, noch die aus gespeicherter Arbeit resultierende Energie, noch die verdiente Abfahrt als Vergnügen oder Preis der Mühe ansieht, dann wäre ein andere Arbeit sicherlich angebracht.
„Ohne Fleiß, kein Preis“, „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, muss man so nicht glauben, kann man aber, und ich tue das in meiner Interpretationsweise auch gerne.

Barbara J. Schoenfeld

Liebe Katrin,

dein Artikel macht wirklich viel Mut und es stimmt, man sollte es wirklich wie die grüne Meeresschildkröte machen. Einfach die Wellen nutzen und sich nicht mehr selbst verrückt machen. Ich weiß das zwar, aber trotzdem falle ich immer wieder zurück in die alten Verhaltensmuster. Gerade deshalb tut diese Geschichte so gut.

Ich glaube, ich sollte mir mal ein Bild von der grünen Meeresschildkröte als Erinnerung an meinen Schreibtisch stellen.

Herzliche Grüße
Barbara

katrin.neiss

Liebe Barbara, herzlichen Dank für Deine Nachricht. Es freut mich sehr, dass Dir der Artikel Mut macht! Tolle Idee, ein Bild einer grünen Meeresschildkröte als visuellen Anker zu nehmen! 🙂 Herzliche Grüße, Katrin

Matthias - Selbstbewusstsein für Männer

Hi,

gute Geschichte mit der Schildkröte.

Das Gute daran ist nicht nur, dass man sich nicht so abkämpft, sondern auch, dass man zwischendrin immer mal wieder kleine Erholungspausen machen kann.

Nicht ständig nur beißen. Auch mal locker lassen 🙂

Grüße

Stephan Pinkwart

Hallöchen, einfach eine schöne Geschichte;)

Ja, ich mache mich selber manchmal kaputt und muss dann selber feststellen, das es besser ist, wie die Schildkröte zu sein. Einfach dem Strom mitschwimmen, als zu schnell zu sein. Das kostet mich mehr Energie und ich bin dann auch nicht viel weiter. Deshalb ist es sehr wichtig, einfach gelassener zu sein und öfters mal mit der Masse zu schwimmen 😉

LG

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